Legden 2007

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 Tagebuch einer tollen Tour          
                                                                                                      von Fritz


 Silberdistel
   groß


Endlich war es wieder so soweit: „Et jeng off jück
Wohin? Das wussten wie immer nur zwei im Team – die „Tourmächer“!

Donnerstag, den 27. September 2007
„Am Lenneboom“ – Start und Bestandsaufnahme

Der Koffer stand schon gepackt im Flur. Nach einer hektischen Körperreinigung wurde er ins Auto verfrachtet. Dann fuhren unsere Frauen uns zum jährlichen Treffpunkt „Am Lenneboom“. Einige Kegelbrüder versicherten später glaubhaft, dass sie erst beim Öffnen des Koffers im Hotel sahen, was Ihre bessere Hälfte so alles eingepackt hatte. Es hat aber offensichtlich gepasst, denn größere Anschaffungen wurden auf der Tour nicht getätigt. Außer Willi – er kaufte später am Bahnhof eine Zahnbürste. Mit immerhin über 20 Jahren Erfahrung als „Kofferpackerin“ kann man dies auch schließlich erwarten, oder?
Mit einem kleinen „Rotz“ aus einer Flasche „De Kuyper“ (Genever) konnte Fritz den ein oder anderen noch erfreuen – ein Teil ging jedoch schon leer aus. Na ja, offensichtlich konnte er sich aufgrund der über 50-wöchigen tourmäßigen Enthaltsamkeit nicht mehr erinnern, was wir auf Tour so „weg tun“. Natürlich muss man auch anmerken, dass einem von den beiden „Tourmächern“ sonst nichts angeboten wurde.
Es waren alle da – das war die Hauptsache, auch wenn der ein oder andere etwas lahmte. Aber der jährliche Tourwille, der üppige Alkoholgenuss und die eingeplanten (wenn auch nicht immer von allen genutzten) Teampausen lindern manches Leiden. Bei einigen stellte sich sogar eine temporäre Genesung ein. Andere behalfen sich mit mehr oder weniger sichtbaren Hilfsmitteln – Augenklappe und Stützkorsett sollen zum Einsatz gekommen sein. Zur fortgeschrittenen Stunde fallen selbst solche Hilfsmittel nicht mehr auf.

„Gemeinsames Tourfrühstück“ – Die letzte Stärkung

Mit dem Auto ging es dann zunächst nach Rieden. Es ist zwar nett, wenn eine liebe Nachbarin uns fährt – solange wir aber noch auf eigene (mehr oder weniger fest bis hin zu verheirateten) Partnerinnen „zugreifen“ können, sollten wir dies auch tun. Wenn sie schon den Koffer packen, können sie uns auch zum Frühstücksstopp und anschließend zum Bahnhof fahren.
In Rieden erwartete uns ein feudales Tourfrühstück in netter Atmosphäre in der Silberdistel. Frühstück – das heißt normalerweise Kaffee, Tee, Milch, Kakao, Wurst, Käse, Eier, Brot und Brötchen, Butter, Marmelade, Honig, Nutella, ... Es heißt eben nicht Kölsch, Pils und Alt in allen möglichen Variationen mit Limo, Malzbier oder Cola. So passierte das, was einem verantwortlichen Tourmächer nicht passieren darf ... – nach einer Runde war das Kölsch leer! Aber wir haben es überlebt – zumal wir beim Frühstück erfahren haben, dass wir zunächst einen Zwischenstopp mit Übernachtung in Düsseldorf machen. Da gibt es eh kein Kölsch ...

     

Zugfahrt nach Düsseldorf – „Vorbei an Köln“

Gut gestärkt für das, was da (jedes Jahr) kommt, ging es zum Bahnhof nach Andernach und von dort weiter mit der DB AG nach Düsseldorf. Wer weiß, wie sehr wir als Kegelteam mit Köln verbunden sind, kann sich vorstellen, dass wir uns genau das eigentlich nicht vorstellen konnten. Einen Tag und eine Nacht in Düsseldorf und ohne „Kölschkur“ an Köln vorbeizufahren!? Was soll das geben? Um es kurz zu machen, es war toll. Mussten wir eigentlich auf der Hinfahrt umsteigen? Ich weiß es nicht mehr!
Ankunft in Düsseldorf – Wo mögen wir absteigen?
Wir sind in einem kleinen Hotel in unmittelbarer Hauptbahnhofsnähe abgestiegen – wahrscheinlich deshalb auch der Name – „Bahnhotel“. Zum Glück war es nicht das noch näher am Bahnhof liegende Gebäude der „Bahnhofsmission“...
Das Hotel war übersichtlich, leicht von den örtlichen Taxiunternehmen zu finden und einige mussten am nächsten Morgen doch eingestehen, die Zimmer nachts im ersten oder zweiten Stock nur mit tatkräftiger Unterstützung des „Rezeptionisten“ gefunden zu haben. Übrigens - dieser Mensch war ein Phänomen (nicht zu verwechseln mit einem Phantom) – als wir gegen 05.00 Uhr im Hotel eintrudelten, sprach er alle mit Nachnamen an. Auch wenn er nicht alle dem richtigen Gesicht zuordnete, fanden wir das beeindruckend – auch ich – nachdem mich jemand morgens beim Frühstück daran erinnert hat.

Pflichtbesuch beim Uerige

Zunächst ging es in die wohl bekannteste Hausbrauerei – Uerige. Ein sehr bitteres Altbier – aber mit dieser Geschmacksnote wohl einzigartig. Hier lernten wir einen Männerstammtisch kennen, die schon seit 30 Jahren immer donnerstags dort sitzt. Sehr beeindruckend – offensichtlich muss nicht jeder unter der Woche schaffen. Hatten wir dort auch gegessen – ich glaube ja?!

Die organisierte Brauereiwanderung – eher eine Stadtführung
Anschließend folgten wir dem „Brauerweg“ – das heißt, ein pensionierter Verkehrspolizist führte uns mit einigen historischen Erklärungen durch die Altstadt. Leider hatte er sich nicht voll auf unsere Bedürfnisse eingelassen, so dass seine Schwerpunktsetzung „Historie der Stadt an der Düssel“ diametral zu unseren Interessen und Besichtigungswünschen „Braukunst, Braustuben, Braugenuss“ lag. In Düsseldorf selbst brauen noch die Hausbrauereien Füchschen, Schumacher, Schlüssel und Uerige. Nach einhelligem Votum war das Altbier beim Schlüssel das beste – süffig durch den ausgewogenen Anteil Darrmalz und stabil im Schaum.

„After Work Party“ – Das ultimative Erlebnis

Nach der Wanderung war es noch hell und eigentlich noch Nachmittag. Was macht man üblicherweise in einer Metropole am Rhein gegen 17.00 Uhr?

Jogi

Klar – man geht auf eine „After Work Party“ (AWP). Gut, dass wir unseren Stadtführer noch bei zwei, drei Glas Schlüssel-Altbier festgehalten hatten. 

Sein Tipp war eindeutig: „Ihr müsst ins Hafenviertel – nicht weit von hier – und dort auf die „AWP“ ins „MK II“. Wir strotzten dem miesen Wetter und scheuten auch den für unsere Verhältnisse weiten Fußweg nicht. Nachdem wir zweimal nach dem Weg gefragt hatten und einige schon wankten in ihrer Entscheidung, standen wir voller Erwartung vor der Tür des MK II. Doch kann es sein, die angeschlagenen Öffnungszeiten lassen es mehr als erahnen. Das MK II hatte geschlossen.  „After Work Party“ und die Alternative 

Sofort wurde nach Alternativen im angeblich „belebten“ Hafenviertel gesucht. Aber auch sonst war im Hafenviertel nicht viel los. Wir fanden schließlich ein edles Restaurant, das seit 1 Woche geöffnet hatte und mit schickem Interieur beeindruckte. Damit meine ich die Möbel – also totes Inventar – denn außer uns war keiner drin – kann ja noch kommen, dachten wir. Die Getränke- und Speisekarte sowie die Musik sprachen nur eine Sprache: hier sind wir bei einem Italiener. Willi unser Sprachentalent kramte flink seinen Italienischwortschatz hervor und stellte dem Kellner eine für uns unverständliche Frage.

Als er nicht verstanden wurde, erläuterte er die Frage – ebenfalls mit reichhaltigem Wortschatz à la Adriano Celentano. Er ließ nicht locker und fügte noch eine Frage an. Dann kapitulierte der Kellner, räumte ein, dass er Türke sei und im Lokal nur ein Mitarbeiter aus dem Land der Pasta und Pizzen komme. Mit ihm entstand dann ein längeres Gespräch, über dessen Inhalt ich aber wenig schreiben kann. Nachdem selbst nach 2 Stunden kein weiterer Gast den Weg in den Gastraum fand, gaben wir auf, zahlten die Zeche und fuhren mit einem Taxi in die „entfernte“ Altstadt zurück.

„Düsseldorf by night“

Düsseldorf begeistert natürlich in den Abendstunden durch seine kompakte und stimmungsvolle Altstadt mit mehr als 260 Kneipen, Lokale, Pubs, Bars, Diskotheken und Restaurants. Dies unterscheidet die Düsseldorfer Altstadt von anderen Städten – selbst von Köln. Der Begriff "Düsseldorfer Altstadt - die längste Theke der Welt", hat meiner Meinung nach durchaus seine Berechtigung. So sagten wir uns: „Die Düsseldorfer Altstadt will entdeckt werden.“ Wir starteten in einer Kneipe mit gut aussehenden und eifrigen Kellnerinnen sowie Live-Rock ab 22.00 Uhr. Aufgrund des großen Angebotes in den umliegenden Kneipen huschte der eine mal da hinein, der andere mal dort hinein. Überall war was los. Die Stimmung war gut. Ich weiß nicht mehr, wo wir überall eingekehrt sind – aber ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Dietmar und ich uns in einer kleinen Eckkneipe einen „Killepitsch“ (ein herber Kräuterlikör – fast zum Kauen) und einen Federweißer gegönnt haben. Ein solch „Gebräu“ hatten wir noch auf keiner Tour vorher zu uns genommen.
Wie bereits gesagt, irgendwann trafen wir wieder im Hotel ein – natürlich mit Taxi, denn ich glaube, unser Ziel lag im Nebel und wir hatten keinen Dunst, wie unsere Füße uns dahin tragen sollen. 

Freitag, den 28. September 2007
„Schmerzliches Erwachen“

Als geübte Pils- und Kölschtrinker hatte uns das Altbier doch sehr zugesetzt. Ich öffnete die Augen und musste mich erst orientieren. Neben mir lag Willi – gut gegangen. Doch irgendeiner hämmerte im meinem Kopf und ließ mich keinen klaren Gedanken fassen. Gut das jemand das Aspirin erfunden hat. Zwei Stück sollten genügen, um die Zeit bis zum ersten Biergenuss zu überbrücken. Erschreckende Wirkung hat das Altbier mit seinen hohen Bitteranteilen offensichtlich auf die Verdauung – ich will dies nicht weiter ausführen, aber man erkennt sich kaum wieder. Die Fliesen im Bad blieben trotz größter Befürchtungen doch an der Wand.
Nach dem gemeinsamen Frühstück checkten wir aus – alle waren an Bord, keiner in der Altstadt zu Schaden gekommen, es konnte also weitergehen.

      

„Das erste Bier“ und anschließende Zugfahrt
Was macht man am Bahnhof, wenn man nach „durchzechter“ Nacht noch Zeit hat, bis der Zug kommt. Man trinkt am besten dort bereits das erste Bier – es war noch ein Altbier. Der Spruch – „Das erste Bier schüttet man am besten weg!“ – ging mir mehrfach durch den Kopf. Aber ich trank es leer, da ich Angst hatte, die Wirkung der beiden Aspirin könnte irgendwann nachlassen. Am Bahnhof sah man dann auch die ersten Clubs, die sich offensichtlich auch auf ein schönes Wochenende freuten. Bei einigen sagt man, hoffentlich fahren sie nicht nach Legden. Ach ja, das sollte unser Ziel für die nächsten drei Tage sein: Das Dorf Münsterland!

Die anschließende Zugfahrt bot beide Extreme – ein Stück der Fahrtstrecke mit dem schnellen und modernen ICE sowie ein langes Stück mit einer privaten, in jedem Nest anhaltenden Regionalbahn. Beides überstanden wir gut. Die Tourmächer hatten ausreichend Bier am Bahnhof in Düsseldorf eingekauft.

    

„Ankunft im Dorf Münsterland

Nach einer kurzen Taxifahrt fuhren wir in das mit Metallzaun gesicherte Partydorf. Schicke Fachwerkhäuser mit rustikaler Einrichtung machten einen einladenden Eindruck. Auch das Personal – von der ersten bis zur letzten Minute beeindruckend freundlich, emsig und verständnisvoll. Das Einchecken verlief reibungslos, eine kurze Einweisung zur Hotelkarte und dem Schlüssel, dann die Koffer auf die Zimmer und jetzt konnte es losgehen. Doch wo waren die Burschen? Hatten die sich doch im Restaurant verkrochen und schon wieder Hunger. Ich wollte doch feiern. Im Restaurant war auch sonst nichts los. Keine Musik. Keine feiernden Clubs. Nix. Irgendwo muss doch hier schon was los sein.

  „Kornkasten“, „Verrückte Kneipe“, „Festscheune“, „Brauhaus“, „Skala“ ... , wo sind denn die ganzen Partyhungrigen? Doch all meine Rhetorik und Überzeugungskünste liefen ins Leere – zuerst wird etwas gegessen. Ich gab mich schließlich geschlagen und sah ein, dass eine kleine Grundlage vielleicht doch nicht schlecht sei. Also aß ich die obligatorische Tomatensuppe, was sonst.

Freitag - Sonntag, 28.-30. September 2007
„Jetzt geht`s los“ – Da simmer dabei ...

Jetzt kann man die Tour in einen Absatz zusammen fassen. Die beliebteste Musikkneipe war für viele der „Kornkasten“. Tolle – laute Stimmungsmusik und flinkes Thekenpersonal. Erstaunlich wie viele Biere die in kürzester Zeit zapfen, rausgeben und dann auch noch kassieren – und das über Stunden bei doch stark verlangendem Publikum. 
Zwischendurch ging es mal zum Duschen und Kleiderwechseln auf die Zimmer. Die Zimmer im Haupthaus waren absolut in Ordnung. 

Die Nähe zu den Kneipen konnte man hören – sei es durch laute Musik, durch singende „Dorfbewohner“ oder durch die Reinigungskräfte, denen ja nach 4.00 Uhr nur wenig Zeit blieb, alles wieder in Ordnung zu bringen. Das Essen in der „Festscheune“ war „Müller-Standard“ – ohne Überraschungen und ohne Begeisterungsfaktor. Die Essenzeiten waren auf 1 ¼ Stunde am Abend begrenzt – wer trifft diese Zeiten schon genau und stellt sich dann auch noch in die Schlange? 

Für das morgendliche Frühstück war zwar mehr Zeit – am letzten Tag gab es sogar Frühstück bis 11.30 Uhr – aber auch hier der „Müller-Standard“. Wer einmal mit Eurostrand gefahren ist, kann sich hierüber nicht mehr erfreuen. Aber Essen ist halt auch Nebensache auf der Tour. Man konnte zu jeder Zeit im Restaurant oder an zwei Imbissbuden auf dem Gelände etwas Gutes oder eben etwas Fettiges essen. Völlig ausreichend.
Das Publikum im Dorf Münsterland ist absolut gemischt – jung und alt, Bewohner des Dorfes und Zugereiste oder solche, die sich um das Gelände herum einquartiert haben – offensichtlich um Geld zu sparen.
Abfeiern konnte man in allen Kneipen – die Musik wiederholte sich häufig. Sei es „Ein Stern“ in zig verschiedenen Variationen oder das „Hottepferd“ liefen ständig. Andere bekannte Stücke waren teilweise speziell zum Abgrölen aufgemotzt, wobei insbesondere die Frauen hier Federn lassen müssen („Du Sau!“ ...).

Rückfahrt - ... natürlich mit Zwischenstopp in Köln

Leider ging es zu früh von Legden zurück. Gerne hätte ich noch einmal einen Frühschoppen im Kornkasten gefeiert. Denn viele waren noch da. Aber die Tourmächer wollten das noch anbieten, was zu jeder Tour gehört: Einen Stopp in Köln. Also ging es schon um 12.15 Uhr zum Bahnhof. Bahnhof ist vielleicht auch etwas übertrieben. Reste unserer Mitbringsel wurden noch gegessen, getrunken oder verfeuert (insb. Markus seinen Rauchutensilien). Dann ging die lange Odyssee los. Bis wir in Köln waren, hatte der ein oder andere fast einen Genickbruch erlitten oder war beim Einnicken nahezu aus der Bank gefallen. 
Am Kölner Hauptbahnhof galt es für uns Dorfkinder zunächst einen große, technische Herausforderung zu bewältigen: Ein Gepäckautomat. Nachdem man vier Euro eingeworfen hatte, öffnete sich ein Rollladen und der Koffer verschwand. Man blieb zurück mit einer Karte. Ob man ihn jemals wiederfinden wird ... Es ging gut.

Früh – Kölsch bis zum Abwinken

Als wir den Bahnhof verließen, schlug uns die Sonne voll ins Gesicht. Vier Tage hatte man sie nicht gesehen. Auch im Dorf Münsterland blieb der gesamte schöne Außenbereich ohne Bewirtung. 

    

Jetzt – wollten sie wir nicht mehr sehen: Also ab in die Baustube der Früh-Brauerei. Hier bestellten wir beim „Köbes“ unsere geliebtes Kölsch aus den handlichen Kölschstangen. Ah – welch ein Genuss. Dann aßen wir noch eine Kleinigkeit und einigten uns auf die Rückfahrt um 18.30 Uhr. 
Die Tour endete gegen 20.00 Uhr wieder am Vereinslokal.

Fazit

Zusammenfassend glaube ich, dass jeder von uns auf seine Kosten kam und es eine tolle Tour war. Die Gemeinschaft war toll und wir haben viel gelacht. Die Ziele – Düsseldorf, Legden, Köln - kann man auf jeden Fall nochmals ansteuern.

 

                                                                                                                ... was wir 2009 machten

 

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